Ein Sucralose-Skandal und seine Folgen: Christian Wolf gegen Sanaz Saleh-Ebrahimi

Anton Gartner
Gründer von DROPTIME & Leistungssportler
Lesezeit ca.:
6 Minuten
Veröffentlicht am: Di. 13. Jan. 2026
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Ein Konflikt zwischen Wissenschaft, Berichterstattung und öffentlicher Eskalation

Ein ZEIT-Artikel über den „No-Zucker-Hype“, ein Video mit einem Thermometer im Kuchen und mehrere juristische Auseinandersetzungen. Was zunächst wie eine fachliche Debatte über Sucralose begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einem öffentlich ausgetragenen Konflikt zwischen dem Unternehmer Christian Wolf, Gründer von More Nutrition, und der Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi.

Warum Christian Wolf von „Angst“ spricht

Wolf beschreibt diese Entwicklung in seinem jüngsten Video nicht nur als sachlichen Streit, sondern auch als persönliche Belastung. Er sagt offen, er habe „Angst“ vor Saleh-Ebrahimi. Gemeint ist dabei weniger körperliche Bedrohung, sondern die Dynamik aus öffentlicher Zuspitzung, juristischen Schritten, persönlichen Vorwürfen und einer Debatte, die sich aus seiner Sicht zunehmend von der ursprünglichen Sachfrage entfernt habe.

Im Kern steht damit nicht allein die Frage, wie riskant das Erhitzen von Sucralose tatsächlich ist. Es geht auch um Verantwortung in der Gesundheitsberichterstattung, um den Umgang mit wissenschaftlicher Unsicherheit und um die Macht öffentlicher Narrative, wenn Konflikte über Social Media eskalieren.


Ausgangspunkt: Ein ZEIT-Artikel über den „No-Zucker-Hype“

Der Konflikt zwischen More-Nutrition-Gründer Christian Wolf und der Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi nahm seinen Anfang mit einem Artikel auf ZEIT ONLINE vom 27. November 2024. Unter dem Titel Wird der No-Zucker-Hype zum Gesundheitsrisiko? ging es um mögliche Risiken von Süßstoffen, insbesondere um Sucralose beim Erhitzen.

Wolf sagt, der Artikel habe den Eindruck vermittelt, dass Produkte mit Sucralose beim Backen potenziell krebserregend sein könnten. Für Verbraucher ohne wissenschaftlichen Hintergrund könne das stark verunsichernd wirken.


Studienlage: Risiko oder Vorsicht?

In seinem Video argumentiert Wolf, dass die Studienlage deutlich differenzierter sei, als im Artikel dargestellt. Er verweist darauf, dass frühe Warnungen vor allem auf Studien beruhten, in denen Sucralose in reiner Form und unter speziellen Bedingungen erhitzt wurde.

Was Studien und Behörden tatsächlich sagen

Gleichzeitig betont Wolf, dass später auch Untersuchungen unter realistischen Koch- und Backbedingungen durchgeführt worden seien. Nach seiner Darstellung stufen sowohl die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als auch die US-amerikanische FDA Sucralose weiterhin als sicher ein, auch beim Backen.

Sein zentraler Vorwurf: Diese Einordnungen hätten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits vorgelegen, seien im Artikel aber nicht ausreichend berücksichtigt worden.


Temperatur im Ofen ist nicht Temperatur im Gebäck

Ein besonders prominenter Punkt der Auseinandersetzung wurde Wolfs Demonstration mit einem Thermometer im Gebäck. Seine Aussage: Auch wenn ein Ofen auf 180 Grad eingestellt sei, erreiche das Innere eines Kuchens diese Temperatur nicht. Durch den Wassergehalt liege die Kerntemperatur deutlich niedriger.

Der Streit um Temperatur, Praxis und Darstellung

Wolf kritisiert, dass diese Demonstration später auf Social Media als unseriös dargestellt worden sei. Er betont jedoch, sie sei lediglich eine Veranschaulichung eines lebensmittelchemischen Grundprinzips gewesen und nicht sein einziges Argument.



Korrekturen bei ZEIT ONLINE

Nach Angaben von Wolf wandte sich More Nutrition nach Veröffentlichung anwaltlich an ZEIT ONLINE. In der Folge seien Korrekturen am Artikel vorgenommen und die Paywall entfernt worden. Damit seien auch die Stellungnahmen des Unternehmens öffentlich zugänglich gewesen.

Aus Wolfs Sicht zeigt das, dass es zumindest in Teilen Klärungsbedarf bei der ursprünglichen Darstellung gab.


Vom Fachthema zum vermeintlichen Skandal

Spätestens auf Social Media verlagerte sich die Auseinandersetzung aus Sicht von Christian Wolf von einer fachlichen Diskussion hin zu einem Skandal-Narrativ. Verkürzte Darstellungen, zugespitzte Videos und juristische Schlagworte bestimmten zunehmend die öffentliche Wahrnehmung. Die eigentliche Frage nach der wissenschaftlichen Einordnung von Sucralose trat dabei in den Hintergrund.

Genau diese Entwicklung erklärt, warum Wolf in seinem Video von Angst spricht. Gemeint ist weniger Kritik an seinen Produkten, sondern die Wirkung eines öffentlichen Skandal-Frames, der Schuld suggeriert, noch bevor Sachfragen geklärt sind.


Von der Sachdebatte zur juristischen Auseinandersetzung

Im weiteren Verlauf verlagerte sich der Konflikt zunehmend auf Social Media, vor allem auf Instagram Reels. Wolf berichtet von Abmahnungen und davon, dass Saleh-Ebrahimi öffentlich erklärte, juristisch gegen ihn vorzugehen. Parallel dazu sei ein Spendenaufruf zur Finanzierung rechtlicher Schritte gestartet worden.

Wolf sagt, er habe eine strittige Aussage anerkannt, um den Konflikt zu beenden. Gleichzeitig äußert er Zweifel daran, ob seiner Meinung nach der juristische Zwischenstand transparent kommuniziert worden sei.


Streit um Zahlen, Vergleiche und öffentliche Darstellung

Besonders kritisch sieht Wolf die öffentliche Darstellung, der Rechtsstreit stehe „4:0“ zugunsten von Saleh-Ebrahimi. Er schildert stattdessen einen deutlich komplexeren Ablauf mit mehreren Aussagen, unterschiedlichen gerichtlichen Einschätzungen und einem Vergleichsvorschlag, dem beide Seiten zugestimmt hätten.

Auch beim Thema eines angeblichen Ordnungsgeldes spricht Wolf von einer Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlichem Ausgang.

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Der schwerwiegendste Vorwurf

Am Ende seines Videos erhebt Wolf einen besonders schweren Vorwurf. Er sagt, ihm lägen Hinweise vor, dass Saleh-Ebrahimi versucht habe, kritische Videos von Wissenschaftlern über Plattformkontakte entfernen zu lassen. Öffentlich stelle sie sich als Opfer von Einschüchterung dar, während im Hintergrund Druck auf Kritiker ausgeübt worden sei.

Diese Vorwürfe sind im Video nicht abschließend belegt, markieren aber den Punkt, an dem Wolf erklärt, warum der Konflikt für ihn eine persönliche Grenze überschritten habe.


Was dieser Fall über öffentliche Debatten und Vertrauen aussagt

Der Streit zwischen Christian Wolf und Sanaz Saleh-Ebrahimi zeigt exemplarisch, wie schnell eine fachliche Auseinandersetzung in eine persönliche und juristische Eskalation kippen kann. Spätestens an dem Punkt, an dem Zahlen, gerichtliche Zwischenstände und Vorwürfe öffentlich verkürzt dargestellt werden, verliert die eigentliche Sachfrage an Raum.

Angst vor Eskalation, nicht vor Kritik

Wolfs wiederholte Aussage, er habe Angst vor dieser Auseinandersetzung, wirkt vor diesem Hintergrund weniger irrational, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Seine Sorge richtet sich erkennbar nicht auf Kritik an seinen Produkten, sondern auf Strategien, bei denen Debatten aus dem fachlichen Kontext herausgelöst und mit moralischen oder persönlichen Zuschreibungen aufgeladen werden. In einer öffentlichen Arena, in der Begriffe wie Einschüchterung, Rassismus oder Machtmissbrauch schnell Wirkung entfalten, kann bereits der Vorwurf selbst reputationsschädigend sein, unabhängig vom späteren Ausgang.

Warum Transparenz entscheidend ist

Unabhängig davon, wie man Wolfs Tonfall oder seine Rolle als Unternehmer bewertet, bleiben viele der von ihm angesprochenen Punkte überprüfbar. Korrekturen an Artikeln, gerichtliche Vergleiche oder eingestellte Verfahren sind keine Randnotizen, sondern zentrale Informationen für eine faire Einordnung. Wer öffentlich über Risiken berichtet, trägt Verantwortung für Kontext und Verhältnismäßigkeit. Wer widerspricht, muss dies tun können, ohne dass sich die Debatte vollständig von der Sachebene löst.

Der Fall wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Zuspitzung verträgt öffentliche Wissenschafts- und Gesundheitskommunikation, bevor sie Vertrauen untergräbt. Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über diesen Konflikt, sondern über die Glaubwürdigkeit öffentlicher Debatten insgesamt.


Hier kannst du dir das Video von Wolf zu dem Streit anschauen:

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Wenn du dich generell über die Person Christian Wolf interessierst, schau dir unseren Artikel dazu an ➡️ Alles über Christian Wolf




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